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Die neue soziale Komponente?

Vor mittlerweile 15 Jahren, zunächst als reines Nebenprodukt des Mobilfunks, entstanden und anfänglich kostenlos angeboten, wurde er entwickelt: der Short Message Service. Wohl besser bekannt ist dieser Begriff im alltäglichen Gebrauch als SMS, der heutzutage eher die kurzen Textnachrichten, die durch diesen Service versendet werden können, bezeichnet, nicht aber den Service an sich. Aus diesem Grund führt der Duden SMS nicht als maskulines Wort, wie es in Bezug auf der Service der Fall sein müsste, sondern als feminines Wort, sicherlich als Anlehnung an die Nachricht.

Seither erfreut sich die SMS zunehmend höheren Ansehens. Als beliebte Tätigkeit gilt der SMS-Chat, wörtlich übersetzt „Kurzmitteilungs-Plaudern“. Das Chatten mittels der in einer SMS gegebenen 160 Zeichen findet schon seit längerer Zeit Vergnügen bei jungen Besitzern eines Mobiltelefons. In einer eigenen Sprache von Abkürzungen wie „HDL“ (Hab dich Lieb) oder „thx“ (thanks) chatten sie in ihrer eigenen Sprache. Doch auch ältere Nutzer gebrauchen mehr und mehr auch den SMS-Chat.

Gründe für den hohen Anklang sind zum einen die geringen Kosten, eine SMS kostet in Deutschland zwischen 5 und 19 Eurocent, zum anderen aber auch die neue kommunikative Plattform, die sich hierbei herausgebildet hat.

So deckt der SMS Chat verschiedene kommunikative Ebenen ab: Durch ein kurzes Grußwort übernimmt die SMS die Aufgabe einer Postkarte, durch einen Terminvorschlag das, was üblicherweise durch einen kurzen Anruf erledigt werden kann, oder mit Hilfe von den oben beschriebenen Abkürzungen kann sie ausdrücken, was früher einem Liebesbrief verpackt worden wäre. Daher kann die SMS als neue soziale Komponente der heutigen Technologie-Gesellschaft bezeichnet werden.

Ukraine: Der mühsame Weg zu einer Art Demokratie

Die ehemaligen Gefährten aus der “Orangen Revolution”, der Protestbewegung gegen den Wahlbetrug in den Jahren 2004/2005, sind zu Wettbewerbern um die Regierungsgewalt geworden. Julija Tymoschenko, die nach zwei Amtszeiten als Premierminister in der Wahl gegen ihre Rivalen klein bei geben musste, und ihr damaliger Mitstreiter Wiktor Juschtschenko konnten aus dem gemeinsamen Antrieb kein nachhaltiges Vertrauen destillieren.

Das nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in der Ukraine aufgebrochene Machtvakuum füllt sich seither mit instabilen, in der Sowjetoligarchie entstandenen Seilschaften. Gleichzeitig stärken die intensiven Interessen der NATO an einem militärisch interessanten Stützpunkt in Osteuropa den Drang, westliche Gesellschaftsformen anzustreben.

Für die ukrainische Bevölkerung ist der Alltag mühsam, ein Wohlstand auf dem Niveau der westeuropäischen Staaten scheint subjektiv empfunden weiter entfernt als zu Zeiten der Kommunisten. Gang und gäbe sind Stromausfälle, Heizmaterialmangel und desolate öffentliche Einrichtungen.

Hütte in der Ukraine

Ältere Ukrainer wählen stoische Gelassenheit als Bewältigungsmuster, jüngere Frauen (vor allem) suchen mit einer Vehemenz nach dem Sugardaddy im Westen, die eine ganze Kohorte von Agenturen für die Partnervermittlung zwischen Ost und West in Brot und Lohn hält.

Die Austragung der Fußball-Europameisterschaft 2012 nutzt die Ukraine als Co-Veranstalter zusammen mit Polen zu einem Infrastruktur-Investitionsschub, den schon finanziell stabilere Länder wie etwa die EM-Gastgeber Österreich/Schweiz nur mit Nachwehen bewältigt haben.

Der beobachtbare Baufortschritt an den Stadien, Hotels, Straßen und Spielerwohnungen in den Austragungsorten Kiew, Donezk, Lemberg, Charkiv, Dnipropetrowsk und Odessa motiviert die Verantwortlichen bei der UEFA zu betont zweckoptimistischen Urteilen. Die Budgets für dieses Mammutvorhaben gehen, wie nicht anders zu erwarten, nur zu einem geringen Teil an lokale Unternehmen – multinationale Baukonzerne und Hotelketten folgen in gewohnter Tradition dem alten Muster eines eingeübten Profitflusses von niedrig entwickelten Länder hin zu den etablierten Wirtschaftsräumen.

(Foto: Die fliegende Scheune von Krasnosilka)

Auswirkungen des Wirtschaftseinbruchs der Jahre 2008 bis 2010

Der Rückgang der Wirtschaftsleistung in Folge des Platzens der Immobilienblase im Herbst 2008 mit den bekannten Folgen wie etwa Rezession, Bankenkrisen oder -verstaatlichungen und Rücknahme der öffentlichen Budgets zeigt auch Wirkungen in den Bereichen, die von einem subjektiven Gefühl des Wohlstands profitieren.

Kommunen sind auf Grund leerer Kassen und steigender Ausgaben vermehrt durch die ökonomischen Fakten dazu gezwungen, auf die Finanzierung von sozialen Einrichtungen vermehrt zu achten. Ganz banal führt das etwa dazu, dass die Verminderung von Betriebskosten für öffentliche Hallenbäder über eine Abkühlung des Beckenwassers um ein Grad Celsius versucht wird. Der Winter 2009/2010 war geprägt von großen Temperaturschwankungen, deren Ergebnisse im Frühling ausapern: Belagsschäden an Straßen und Plätzen. rund 40 Euro kosten die Reparatur eines Quadratmeters zur Beseitigung der unfallträchtigen Schlaglöcher – vermeidbare Kosten im Vergleich zu der einfachen Lösung: einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h in den betroffenen Zonen.

Aus privater Hand speist sich die Mehrzahl aller karitativen und mildtätigen Vereinen und Institutionen. Spenden und materielle Beiträge bilden den einen Teil der Wirtschaftsleistung, auf die diese Organisationen bauen, freiwillige Arbeitsleistung der andere. Das Cliché von Armen, der den noch viel Ärmeren gerne gibt, ist in der rauen Wirklichkeit nicht mehrheitsfähig. Eher wird aus den Überfluss gespendet als aus dem Mangel, und so spüren Spenden-Sammler das Ausbleiben der nötigen Zuwendungen unmittelbar. Angefangene Projekte, die über Jahre wachsen sollten wie etwa die Errichtung von Waisenhäusern geraten in ein finanzielles Nadelöhr.

Prognosen von Wirtschaftsexperten zeichnen für 2010 und 2011 ein wechselhaftes Bild. Private Einkommen werden später in eine Aufschwungphase geraten als Industrie und Finanzwirtschaft, sofern nicht davon auszugehen ist, dass Teile der Wirtschaft für immer verloren sind.