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Das erwartbare Ergebnis der Wahl zum deutschen Bundespräsidenten ist also eingetreten: Der Kandidat der Regierung siegt, wenn auch mit einem gar beschämenden Votum.

Dass er gemäß seinem Amtsverständnis die Reihe seiner Vorgänger von Carstens bis von Weizsäcker nicht mit auffallender Widerborstigkeit ergänzen wird, darf man als fix voraussetzen. Eher würde Wulff sein Häkchen wohl unter das Zitat des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Sinowatz setzen, dem einst der Sager zugeschrieben wurde: „Ohne Partei bin ich nichts“.

Direkte Auswirkungen der Präsidentschaft erwartet wohl nicht ein Mal die Partei, für die er ins Rennen ging – eher einhellig ist man aber der Meinung, dass Merkel mit dem taktisch durchsichtigen Schachzug der Entfernung eines der letzten nennenswerten Konkurrenten eine strategischen Tiefpunkt erreicht und dem langfristig spürbaren Politik-Ekel ihres Landes einen weiteren Tropfen Vitriol eingetrichtert hat. Burks zumindest meint zynisch-realistisch:

Es macht keinen Unterschied, ob nun Christian Wulff Bundespräsident wird oder ein lesbisches Suppenhuhn.

Alles in allem ein Randthema in einem Sommer, der von Vuvuzelasirenen und Wembley-Sequels dominiert ist. Den Bundespräsidenten werden die meisten erst wieder wahrnehmen, wenn sie zu Weihnachten kurz vor seiner Ansprache den TV-Kanal wechseln.