Ukraine: Der mühsame Weg zu einer Art Demokratie

Die ehemaligen Gefährten aus der “Orangen Revolution”, der Protestbewegung gegen den Wahlbetrug in den Jahren 2004/2005, sind zu Wettbewerbern um die Regierungsgewalt geworden. Julija Tymoschenko, die nach zwei Amtszeiten als Premierminister in der Wahl gegen ihre Rivalen klein bei geben musste, und ihr damaliger Mitstreiter Wiktor Juschtschenko konnten aus dem gemeinsamen Antrieb kein nachhaltiges Vertrauen destillieren.

Das nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in der Ukraine aufgebrochene Machtvakuum füllt sich seither mit instabilen, in der Sowjetoligarchie entstandenen Seilschaften. Gleichzeitig stärken die intensiven Interessen der NATO an einem militärisch interessanten Stützpunkt in Osteuropa den Drang, westliche Gesellschaftsformen anzustreben.

Für die ukrainische Bevölkerung ist der Alltag mühsam, ein Wohlstand auf dem Niveau der westeuropäischen Staaten scheint subjektiv empfunden weiter entfernt als zu Zeiten der Kommunisten. Gang und gäbe sind Stromausfälle, Heizmaterialmangel und desolate öffentliche Einrichtungen.

Hütte in der Ukraine

Ältere Ukrainer wählen stoische Gelassenheit als Bewältigungsmuster, jüngere Frauen (vor allem) suchen mit einer Vehemenz nach dem Sugardaddy im Westen, die eine ganze Kohorte von Agenturen für die Partnervermittlung zwischen Ost und West in Brot und Lohn hält.

Die Austragung der Fußball-Europameisterschaft 2012 nutzt die Ukraine als Co-Veranstalter zusammen mit Polen zu einem Infrastruktur-Investitionsschub, den schon finanziell stabilere Länder wie etwa die EM-Gastgeber Österreich/Schweiz nur mit Nachwehen bewältigt haben.

Der beobachtbare Baufortschritt an den Stadien, Hotels, Straßen und Spielerwohnungen in den Austragungsorten Kiew, Donezk, Lemberg, Charkiv, Dnipropetrowsk und Odessa motiviert die Verantwortlichen bei der UEFA zu betont zweckoptimistischen Urteilen. Die Budgets für dieses Mammutvorhaben gehen, wie nicht anders zu erwarten, nur zu einem geringen Teil an lokale Unternehmen – multinationale Baukonzerne und Hotelketten folgen in gewohnter Tradition dem alten Muster eines eingeübten Profitflusses von niedrig entwickelten Länder hin zu den etablierten Wirtschaftsräumen.

(Foto: Die fliegende Scheune von Krasnosilka)